WIR STREITEN MIT GÖTZIS!

MAI 2022 – WIE KIES ZWEI GEMEINDEN ENTZWEIT


KEIN KUCHEN, KEIN KIES ABER GANZ VIEL STREIT!

Jetzt streiten wir also ganz offiziell mit den Götznerinnen und Götznern. Wir mit ihnen, weil sie nicht so tun wie wir wollen und sie scheinbar mit uns, weil wir auch blöd sind. 
Das klingt nach einem Zwist wie bei einem Kindergeburtstagsfest, wenn es um das letzte Stück des Schoko-Bananenkuchens geht und der Indianer am Schluss dem Cowboy mit dem Kriegsbeil auf den Kopf haut.

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Postwurf an einen Haushalt
Große Pläne
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GEMEINDE GRÄBT DAS KRIEGSBEIL AUS

Am vergangenen Mittwoch ging eine bemerkenswerte Gemeindevertretungssitzung über die Bühne. Erstens war es eine komplette Sitzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit und zweitens war es eine Sitzung bei der ganz offiziell und mit Zustimmung der Mehrheit der Gemeindevertreter*innen das Kriegsbeil ausgegraben wurde. 


GENUG GEREDET – JETZT WIRD GEHANDELT

„Man habe lange genug verhandelt, genug ist genug, jetzt müsse eine Entscheidung her, aber man wolle ja eigentlich eh mit den Götzner, aber halt nicht so etc. etc.“ So oder so ähnlich klingt es jetzt durchs Dorf oder aus den Medien. Aber was ist wirklich geschehen? Nachstehend der Versuch einer extrem komprimierten Zusammenfassung.


IN VIER SCHRITTEN ZUR BH
  1. Die Altacher Gemeindepolitiker, allen voran Gottfried Brändle und Franz Kopf haben sich schon vor Jahren überlegt, wie man die langsam zu Ende gehende Kiesgewinnung aus dem alten Abbaugebiet wiederbeleben bzw. erweitern könnte. Es gab zwei Möglichkeiten: eine zwischen dem Rheinhof von Herbert Sohm und den Rheinauen (aber wenn sie sich für das entschieden hätten, wären sie wahrscheinlich von der Altacher Bevölkerung mit nassen Fetzen aus dem Dorf getrieben worden), oder die andere zwischen Sauwinkel und Götzner Hof. Eine Fläche, die erstens viel größer und viel ergiebiger ist und zweitens auch weniger Probleme bereitet (haben sie sich wahrscheinlich gedacht).

  2. Altach macht Götzis ein unmoralisches Angebot von läppischen 4,3 Millionen € für alles – tutti quanti. – Götzis lehnt ab und findet Altach blöd. 

  3. Es wird hin und her verhandelt und schlussendlich liegt laut Bürgermeister Giesinger eine (noch viel unmoralischere) Variante auf dem Tisch, bei der Götzis 75% der Erlöse will. Jetzt reden wir aber von -zig Millionen von Euros. Altach lehnt ab und findet Götzis noch viel blöder. 

  4. Die Beziehung ist zerrüttet, jetzt geht’s zur BH, die soll sagen, wer der wirklich Blöde ist. Und dann – dann ist alles wieder gut – echt jetzt? Das zumindest scheint Markus Giesinger zu meinen, wenn er sagt, eigentlich wolle man ja schon noch miteinander. 


KANONEN STATT DIPLOMATEN

Fazit aus meiner Sicht: Es wurde vieles ausgeheckt und ausgeknobelt, der Schwarze Peter hin und her geschoben, es wurden dieselben Angebote in ein anderes Geschenkpapier gewickelt und es wurde scheinbar eher intrigiert, spioniert und phantasiert. Aber darüber diskutiert, was denn der eine und was der andere eigentlich wirklich will, was für alle Beteiligten die beste Lösung wäre, das wurde allem Anschein nach nicht gemacht. 

Die Verhandlungen sind kläglich gescheitert, die verhandelnden Personen haben jämmerlich versagt. So ist das, wenn nach den Diplomaten die Kanonen kommen. Da können dann die Diplomaten noch so lange herum lamentieren und versichern, dass sie das Beste versucht haben, gescheitert sind sie trotzdem. 

 
STREIT IST KEINE LÖSUNG

Wegen ein paar Kubikmeter Kies legen wir uns mit Götzis an, erklären die Verhandlungen für beendet? In Zeiten wie diesen, wo sich ein paar hundert Kilometer von uns entfernt die Menschen massakrieren, weil man nicht mehr miteinander reden kann? Ja okay, der Vergleich ist vielleicht nicht zulässig, aber warum eigentlich nicht. Nicht mehr miteinander reden können, ist in diesem Fall, meiner Meinung nach, keine Option. Dann ist es besser, man lässt das Kies wo es ist und wartet auf fähigere Verhandler. Solche, die es verstehen, das Schoko-Bananenkuchenstück mit dem Kriegsbeil zu teilen, anstatt sich damit auf den Kopf zu hauen.


Ich bin enttäuscht und zutiefst irritiert über die Vorgehensweise und die Verantwortungslosigkeit auf beiden Seiten. 

BERNIE WEBER
 

PS:

Indianerhäuptling Giesinger ließ die Gemeindevertreter*innen am 27. April, bei der nicht öffentlichen Gemeindevertretungssitzung, zwei Stunden lang über das Thema diskutieren und abstimmen. Am Ende der Sitzung habe ich ihn gefragt, was als nächstes geplant sei, auch in Hinblick auf die Information an die Altacher Bevölkerung. Unser Bürgermeister hat nur gemeint, dass Bevölkerung natürlich informiert werden, dass die Postwurfsendung, die über die eben getroffene Entscheidung informiert, zu diesem Zeitpunkt aber schon längst gedruckt und auf den Mopeds und Fahrrädern der Zusteller verladen war, hat er sich scheinbar nicht getraut zu sagen. Die Werbeagentur, die Drucker und Zusteller wussten vom Abstimmungsergebnis der nichtöffentlichen Sitzung lange bevor wir Indianer überhaupt informiert wurden und abstimmen durften! Das ist demokratiepolitisch unter jeder Kanone und zeigt einmal mehr, wie es um das Demokratiebewusstsein und die Allmachtsphantasien vieler ÖVP-Politiker bestellt ist.